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Die Tatsache, dass viele Verbraucher auf Kaffeebecher aus Pappe verzichten, ist aus Sicht des Bundesverbands der Keramischen Industrie eine Chance für die Porzellanbranche. Der Cappuccino zum Mitnehmen müsse "nicht in einem Wegwerf-Produkt genossen werden. Hier gibt es auch kreative Produkte aus Keramik", sagt Verbandssprecher Christoph René Holler.

Um sich die zunehmende Vorliebe der Verbraucher für nachhaltige Kaffeebecher zunutze zu machen, setzten die Hersteller auf neue Designs und Innovationen. Gleiches gelte für Einwegteller aus Kunststoff. Dies werde sich positiv auswirken für Geschirrhersteller.

In den 90er Jahren bis in die 2000er ging die Branche durch eine Krise. Absätze gingen zurück, Arbeitsplätze verloren. Viele Betriebe mussten komplett aufgeben. Am 9. Januar ist es genau zehn Jahre her, dass der bekannte Porzellan-Hersteller Rosenthal mit Sitz im oberfränkischen Selb Insolvenz anmelden musste.

2009 begann das Insolvenzverfahren bei Rosenthal

Ein Grund für den Strukturwandel: der Import billiger Waren aus Asien. Zudem seien aus den deutschen Innenstädten "Stück für Stück die vielen Haushaltswaren-Einzelhandelsgeschäfte der Porzellanfachhandel" verschwunden, so Holler.

2009 begann das Insolvenzverfahren bei Rosenthal. Die Rettung kam aus Italien: Der Haushaltswarenhersteller Sambonet Paderno kaufte das Unternehmen. Seitdem wurden Prozesse optimiert, in die Fertigung sowie in ein neues Outlet-Center in Selb wurde investiert und das Unternehmen verschlankt, wie Rosenthal-Geschäftsführer Gianluca Colonna erklärt.

2017 lag der Umsatz indes nach seinen Angaben bei 76,1 Millionen Euro - deutlich weniger als im Vorjahr (84,6 Millionen Euro). Colonna hofft nun auf mehrere gesellschaftliche Trends. "Mit dem Boom der Kochsendungen und des Bio-Trends hat auch die Bedeutung von Porzellan als Bühne für gutes Essen wieder zugenommen", meint er. Bei Kunden spielten zudem "handwerkliche Finesse" und die Tatsache eine Rolle, dass Teller, Tassen und Schüsseln in Deutschland produziert werden.

Keramikverband sieht Chancen für die Branche

Auch die Porzellan-Manufaktur Meissen aus Sachsen will sich wieder auf ihre Kernkompetenz Porzellan konzentrieren. Das Unternehmen hat 2017 einen Fehlbetrag von 5,2 Millionen Euro erzielt, der Verlust fiel aber geringer aus als im Vorjahr.

Der Keramikverband sieht Chancen für die Branche. Insbesondere in der Hotellerie, bei Gaststätten, aber auch in Krankenhäusern und Senioren-Wohnanlagen werde zunehmend auf hochwertiges Geschirr gesetzt, betont Sprecher Holler.

Herausforderungen gibt es jedoch nach wie vor. Zum Beispiel die Entwicklung, dass viele Menschen Waren lieber im Internet bestellen, als in den Läden in der Innenstadt einzukaufen - und das bei günstigen Anbietern aus Asien. Oder Veränderungen in den Handelsbeziehungen mit anderen Ländern. Colonna nennt hier den bevorstehenden Brexit. Dies könne zum Verlust von Märkten führen, den die Unternehmen auffangen müssen.